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Dynastien der Dachse

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Dynastien der Dachse
Von zahmen Insulanern, Dachstouren und Jahrhunderte alten Dachsburgen mit Bioheizung und außen-WC. Bilder aus nächster Nähe. Story s 00811 und Dachsbilder unter C121 oder Suche: Dachs auf der Datenbank Von Claus M. Schmidt c animal.press Fast sind es die heimlichsten Tiere hier zu Lande - und doch sind sie überall. mitten unter uns. In Gärten, Parks, in den Vororten der Städte und auf dem Dorf. Kaum jemand hat sie allerdings je zu Gesicht bekommen. Dabei sind unsere größten Marder mit ihrem markanten schwarzweißen Muster und einem Gewicht von 10 bis 16 Kilogramm und einer Körperlänge bis zu 90 Zentimetern wirklich alles andere als unscheinbar. Die Vorsicht der Dachse hat ihren Grund – denn schon immer wurde ihnen bei uns von Menschen nachgestellt. Im Zuge der Tollwutbekämpfung wurden sie gnadenlos verfolgt, bis vor wenigen Jahrzehnten in den Bauen vergast, in Fallen gefangen, von Dachshunden gebissen und von Jägern geschossen. Der zunehmende Straßenverkehr fordert weitere Opfer. In einigen Bundesländern drohten die Dachsbestände gar völlig zu erlöschen. So haben sich die hübschen Marder bei uns auf ein äußerst heimliches, nächtliches Leben eingestellt. Nur wenige Menschen hier zu Lande haben jemals einen lebenden Dachs in der Freiheit gesehen. In der Regel kennen nur noch Nassrasierer etwas von dem Tier, das traditionell sein Haar zu besseren Rasierpinseln liefert. Anders auf den britischen Inseln. Hier gibt es zwar auch die Rasierpinsel mit Dachshaar und einen lebhaften Straßenverkehr, doch fehlte im Inselreich die Tollwut. So kam es hier nie zu derart systematischen, flächendeckenden Vernichtungsfeldzügen gegen die schwarzweißen Marder. Und so ist es ganz normal, wenn abends ein Dachs in aller Seelenruhe unter den Augen der Menschen durch den Garten strolcht. Er wird von jedermann gern gesehen, weil Dachse fleißige Schneckenvertilger sind. Und von diesen Weichtieren gibt es auf der nicht eben von der Sonne verwöhnten Regeninsel wirklich mehr als genug. Dachse werden angefüttert und in Ehren gehalten. Manchen Landsitz und Inn ziert der Namenszug „Badger‘ und Ferienwohnungen auf dem Land werten ihre Annoncen in der Zeitung gar durch den Hinweis auf, dass der abendliche Besuch von Dachsen garantiert wird, Veranstalter von Naturreisen bieten „Badgertours“ an, nächtliche Ausflüge mit der Taschenlampe, auf denen die fast hautnahe Begegnung mit Dachsfamilien der Höhepunkt ist. Bei so viel offener Sympathie der Menschen und wenig Berührungsängsten auf Seiten der Wildtiere wundert es nicht, dass die meisten Erkenntnisse über das Leben von Dachsen aus dem Königreich kommen. Erstaunliches haben die Forscher dort in den letzten Jahren herausgefunden. So leben Dachse, die bei uns als notorische Einzelgänger galten, tatsächlich in sozialen Gemeinschaften von durchschnittlich sechs erwachsenen Tieren. Die größte Gemeinschaft zählte inklusive der Kinderschar gar 23 Köpfe. Kleine Dachse durchlaufen die Kinderstube im D-Zugtempo. Im Februar kommen sie zur Welt, kaum größer als ein Goldhamster – und bis zum Juli wiegen sie fast schon so viel, wie ihre Eltern. Heimat solcher Großfamilien sind ausgedehnte unterirdische Katakomben. Die sind nach Funktionsbereichen gegliedert, wie eine menschliche Behausung. Hier gibt es Vorder- und Hintereingänge, Korridore, Toiletten und ausgepolsterte Schlafkammern. Die Polsterung der Schlafkammern besteht aus trockenen Gräsern und Käutern. Sie wird an trockenen und sonnigen Tagen zum Lüften nach draußen getragen und nach ein paar Stunden wieder eingebracht. In Extrakammern rottet Laub und sorgt – als Bioheizung sozusagen – für ein bisschen Wärme. Auch Sicherheitsgänge gibt es. Die enden wie in einem Labyrinth blind. Diese strategischen Blindgänge dienen als Fallen. Wenn mal ein Hund in den Bau eindringt und sich mangels Ortskenntnis in den Blindgang verirrt, können die Dachse das offene Ende blitzschnell mit Erde verschließen und den Feind so lebendig begraben. Wenn solche Dachsgemeinschaften ungestört leben dürfen, dann vererben sich die Burgen von einer Generation auf die nächste. Da jede neue Generation weiter an- und umbaut, entstehen im Laufe der Jahrhunderte gigantische Anlagen. Ein solcher Bau in England hatte bei einer Tunnellänge von insgesamt 879 Metern 50 Kammern und 179 Ausgänge. Die Forscher kalkulierten, dass die Tiere zum Bau insgesamt 70 Tonnen Erde bewegt hatten.


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