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Im Wickelraum der Flug

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Im Wickelraum der Flug
s2588 Im Wickelraum der Flughund-Babys c animal.press von Claus M. Schmidt (Auf den Fotos, die Frau mit Brille und bei der Pflege ist Volunteer Ashleigh Johnson) Zweimal täglich gehen Jenny McLean und ihre Helfer zu den weit ausladenden Bäumen, die sich hoch über das dornige Gestrüpp der Atherton Hochebene im australischen Bundesstaat Queensland erheben. Aus der Ferne sieht es aus, als hingen die Bäume voller riesiger Früchte – doch steht man davor, zeigt es sich, dass hier hunderte von Fledertieren hängen. Kopfunter. Es sind Tolga-Flughunde, entfernte Verwandte der nachtaktiven Fledermäuse und Vampire, die hier ihre Tage schlafend verbringen. Riesige Flügel hüllen die 50 cm großen Tiere vollständig ein, wie das Gewand des Grafen Dracula. In der tropischen Hitze fächeln Mütter ihren Babys, die am Bauchfell klammern frische, kühlende Luft zu. Doch die einst hunderttausend Köpfe zählende Kolonie von Tolga-Flughunden, ist in den letzten Jahren zu einem spärlichen Häuflein geschrumpft. Eine rätselhafte, tödliche Krankheit rafft die Tiere dahin. „Wenn wir sie bergen können, haben die gefallenen Babys beste Chancen“ „Unter den Bäumen finden wir täglich tote Flughunde“, klagt Jenny McLean über eine schreckliche Seuche, die vor Jahren über die seltene Art hereingebrochen ist. „Wenn wir die Flügel öffnen finden wir immer wieder Babys, die sich noch immer am Bauch der toten Mutter festklammern. „ Völlig verängstigt und total kraftlos sind diese Waisen, die Jenny vorsichtig aus dem Fell löst, mit einer frischen Zuckerlösung versorgt. Nach der Erstversorgung kommen die Findelkinder in einen Beutel und werden in ihre Flughund-Klinik gebracht. Die Ursache des Flughund-Sterbens haben Jenny und ihre Helfer inzwischen identifiziert: Es sind Erreger, die von Zecken übertragen werden. Und es gibt noch keine Möglichkeit, die Tiere davor zu schützen. Infektionen sind bei der Lebensweise der nächtlichen Flieger unvermeidlich. Anders als Fledermäuse sind sie nicht hinter Fluginsekten her. Der englische Name „Fruit-Bats“ zeigt ziemlich genau, wo die Reise hingeht: Zu Bäumen und Büschen. Flughunde sind Vegetarier, leben von Früchten und Blüten. Doch in den Pflanzen, die sie anfliegen lauert Gefahr: Zecken krallen sich fest und infizieren Flughunde mit der tödlichen Krankheit. „Wochen nach dem Zeckenbiss werden sie von Lähmung befallen und stürzen von ihren Bäumen wie reife Früchte. Fast immer ist es dann für jede Hilfe zu spät. Wir können nur die Babys retten“, sagt Jenny McLean. Die sind in der Regel frei von Zecken. „Weil die von der Mutter gepflegt und von allen Parasiten befreit werden, sind die bei der Einlieferung zwar schwach aber gesund. Wir haben beste Chancen, sie aufzupäppeln und wieder in die Freiheit zu entlassen.“ Enge Wickel bieten den Babys Nestwärme und Sicherheit Bei 250 Findeltieren, die sie jährlich versorgt hat Jenny inzwischen Routine in der Pflege von Flughund-Waisen. In den ersten Wochen bekommen die Babys eine Spezialmilch, die der Muttermilch entspricht. Dann kommt Bananen- und Apfelbrei dazu. Anfangs werden die Babys gewickelt. „Das entspricht von der Behaglichkeit der Situation zwischen Flügel und Fell am Körper der Mutter“, erklärt Jenny McLean „ und es verhindert, dass sich die anfangs verschreckten Waisenkinder beim ängstlichen Flattern ihre überaus zarten Flügelknochen brechen.“ Gemeinsame Ausflüge bis zum Morgengrauen Sobald die Jungtiere fit sind, werden sie jeweils zu zehnt unter die Decke eines offenen Käfigs gehängt und per Seilzug in die Baumkronen gehievt. Trinkflaschen, Bananen, Melonenstücke und Äpfel sind als Proviant dabei. „Wir haben festgestellt, dass sich diese von klein auf vertrauten Tiere wie eine kleine Kolonie verhalten. Sie fliegen bei Dämmerung gemeinsam aus und kehren im Morgengrauen gemeinsam zurück.“ Kann ein Impfstoff die letzten ihrer Art schützen? Wenn sich alle wieder versammelt haben, lässt Jenny den Käfig runter und untersucht die Tiere. „Die kennen mich und haben überhaupt keine Angst. Manchmal finden wir Zecken, die wir sofort entfernen. “Ein Team von Tierärzten ist dabei, einen Impfstoff zu entwickeln, der die Tiere vor weiteren Infektionen schützen soll. Jenny McLean: „Wenn es klappt, werden wir auch Flughunde draußen mit dem Serum schützen können.“ Claus M. Schmidt


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